Projekt, der zweite Teil

(Lutz)

 

Die Pleite

Als das Blatt im Juni 1984 mit der „Notausgabe Blatt“ (Blatt 274) die Pleite bekanntgab, bin ich als ehemaliges Kollektiv-Mitglied, nach wie vor gelegentlicher Sätzer und Hausfreund in die Georgenstraße 123 geradelt, um der definitiv letzten Generation von Blatt-Macherinnen und -Machern und -Machers beiseite zu stehen.

 
Viel war für mich nicht zu tun, eigentlich nix.

 
Im Keller, wo auch das Foto- und Repro-Labor war, und wo der Tisch für die Montage der Druckvorlagen für die Druckerei stand, waren die Remittenden gelagert. Das sind Exemplare, die von den Verkaufsstellen zurückgegeben worden waren. Jeweils ungefähr 20 Exemplare jeder Ausgabe haben wir dort in einem Stahlregal abgelagert.

 
„Das geht jetzt alles in den Schredder“, dachte ich, „und dann ist das Blatt nicht mehr da.“

 
Das wollte ich nicht, sondern habe an den folgenden Tagen im Keller gestanden und möglichst vollständige Stapel von Blatt-Ausgabe 1 bis 274 zusammengestellt, die dann an ein Archiv in Amsterdam, ein Archiv in Frankfurt und vor allem ans Archiv der Arbeiterbewegung München und ans Archiv 451 der unermüdlichen Sammlerin Christine Dombrowsky gingen.

 
Danach war das Blatt dicht und weg und nicht mehr existent.

 
Stattdessen zog der Peter Weismann Verlag ein, der später zum Antje Kunstmann Verlag mutierte. Beide Verlage konnten mit zwei der Blatt-Hinterlassenschaften nichts anfangen und rührten sie nicht an: Das sog. Fotoarchiv (eine hübsche alte Kommode mit vielen Schubladen, die wahllos vollgestopft waren mit Fotos aller Formate, Qualitäten und Inhalte, und die durchgepflügt wurden, wenn wir wieder mal Probleme hatten, ein Titelbild zu finden) und die restlichen Remittenden in dem Stahlregal im Keller. Beide Hinterlassenschaften waren später ergiebige Quellen für die Bestückung der Ausstellung „Wem gehört die Stadt?“ im Stadtmuseum München im Jahr 2013.

 

Das Blatt ist nicht tot

Trotz Pleite feierte das Blatt im Laufe der Jahre fünf Blatt-Feste, so geschehen am 20.10.1990, am 09.09.1994, am 29.09.2001, am 22.07.2006 und 13.04.2019. Zu jedem Fest gab es eine Blatt-Ausgabe, und zu zwei Festen gibt es Videos. Die sind zu sehen unter Extras 〉 Blatt-Feste. Dort gibt es mehr Infos dazu.

 
Im Arbeiterarchiv fragten immer wieder mal Leute nach dem Blatt, aus Neugierde oder für wissenschaftliche Arbeiten zur Zeitgeschichte oder um ein Buch zu schreiben, in das die Erwähnung des Blatt hineinpasste.

 

 

Blatt ins Netz

Bei mir kam der Wunsch hoch, das Blatt im Internet für alle Leute frei zugänglich zur Verfügung zu stellen. Ab 2020 habe ich das konkret vorbereitet, und 2023 haben wir dann begonnen, alle Ausgaben des Blatt Seite für Seite zu scannen, Ingrid, Jürgen, Roger und ich.

 
Vorlagen für das Scannen sollten die Sammlungen des Arbeiterarchivs sein. Dort hat Michael festgestellt, dass nicht alle Ausgaben in einwandfreiem Zustand vorlagen, sondern einige gelocht waren oder sonstige Mängel hatten.

 
Damit kam die Bayerische Staatsbibliothek ins Spiel. Getreu dem Pressegesetz hat das Blatt von jeder Ausgabe ein Exemplar per kostenlosem Abonnement dorthin geschickt. Die StaBi hat die Hefte zu Büchern gebunden. Es dürften ungefähr 12 Bände mit ca. 1,5 Regalmetern geworden sein. Die (letzte) Notnummer 274 mit ihrem übergroßen Format bekam eine eigens eingeheftete Hülle im letzten Band.

 
Im Münchner Büro von Wikipedia (WikiMuc) haben wir dann die unbeschädigten Ausgaben gescannt, und in der StaBi die fehlenden Ausgaben aus den gebundenen Büchern. Großen Dank an Wolfgang und WikiMuc und an Frau Geyring in der StaBi und ihre freundschaftlichen Mitarbeiter an den dort öffentlich zugänglichen Scannern.

 
 

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